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Für 100-prozentige Qualität braucht es weitere 80 Prozent Einsatz

Partner & Experten6 Min. Lesezeit

von Redaktion Konsumentenbund

Yannick Lehmann

In unserer Beitragsreihe stellen wir Unternehmen und Expertinnen und Experten aus dem Netzwerk des Schweizerischen Konsumentenbunds vor – Partner, die für Qualität, Verlässlichkeit und echte Kundennähe stehen. Heute: Yannick Lehmann von Lehmann Gartenbau.

Ein Garten ist weit mehr als eine schön angelegte Fläche. Für Yannick Lehmann, Inhaber und Geschäftsführer von Lehmann Gartenbau, ist er ein lebendiger Raum, in dem Nutzung, Gestaltung und Ökologie von Beginn an zusammengedacht werden müssen. Im Interview erklärt er, weshalb eine vorausschauende Planung spätere Mehrkosten verhindert, welche Rolle Biodiversität im Gartenbau spielt und warum offenes Zuhören die Grundlage einer gelungenen Gartenanlage ist.

Konsumentenbund: Herr Lehmann, was zeichnet Ihren Ansatz im Gartenbau aus?

Yannick Lehmann: Da wir in allen Garten Bereichen tätig sind, schauen wir für zukünftige Angelegenheiten nach vorne. Dies ist in unserem Beruf manchmal sehr beeinflussend. Je nach dem, wie man den Garten plant, baut, anlegt, bildet man für die Pflanzen, die Nutzung und Pflege des Gartens situative Bedingungen. Das sind beispielsweise Standorte, Boden- und Lichtverhältnisse. Ebenfalls spielt es immer eine Rolle wie der Garten «ausgelegt» sein soll. Man teilt es in drei Bereiche ein: Nutzung, Gestaltung und Ökologie. Diese Punkte gilt es zu beachten, wobei wir offen beraten und die Kundenwünsche berücksichtigen. Anhand der Wünsche können wir Prognosen machen, anhand dieser Punkte die beachtet werden, wie sich die Gartenumgebung entwickeln kann und wer davon profitiert.

Konsumentenbund: Welcher Aufwand wird bei Gartenarbeiten aus Ihrer Sicht häufig unterschätzt?

Yannick Lehmann: Oft wird der Aufwand unterschätzt. Selbst bei kleineren Aufgaben sind eine Vielzahl von Gerätschaften und Maschinen nötig. Was die Qualität angeht, bemühen uns stets unsere Arbeiten exakt zu erledigen. Das Erreichen von höchster Qualität bedingt aber einen beträchtlichen Mehraufwand als eine Sache einigermassen exakt zu erledigen. Wie die 80/20 Regel- mit 20 % des Aufwandes erreicht man 80 % der nötigen Qualität, doch für 100 %-ige Qualität braucht es weitere 80 % des Einsatzes. Diese aufwendigen Tätigkeiten und vor allem die oft hohen Material Volumen werden meist ein wenig unterschätzt.

Konsumentenbund: Welche Werte prägen Ihre Arbeit – sowohl im Team als auch draussen in der Natur?

Yannick Lehmann: Bezüglich Personals ist es unsere Philosophie, dass Mitarbeitende an den Aufgaben wachsen, lernen selbstständig zu handeln und so ihre «Skills» durch eigene Erfahrungen machen. Niemand wird gerne bemuttert. In unserem Beruf haben wir auch die Aufgabe auf die Natur und Nachhaltigkeit Rücksicht zu geben. Bauen ist mit viel Material- und Maschinenaufwand verbunden. Durch gezieltes Einsetzen von Maschinen und regionalen Produkte können wir die Nachhaltigkeit beeinflussen und müssen beim anlegen von Gärten auch Rücksicht auf deren Bewohner geben, dass diese nicht ganz aus unserem Siedlungsraum verschwinden.

Konsumentenbund: Wo passieren bei der Gestaltung einer neuen Umgebung die kostspieligsten Fehler?

Yannick Lehmann: Beim Erstellen von Umgebungsarbeiten kann/wird teilweise eingespart, vor allem wenn es um die Umgebung geht bei Neuanlagen. Wir Gärtner sind die jeweils letzten Handwerker und oft ist das Budget bis dahin klein geworden. Es lohnt sich dennoch, wenn man eine Vorstellung hat, diese miteinzubeziehen, auch wenn es möglicherweise erst später zu deren Umsetzung kommt. Verwandelt man den hintersten Teil des Gartens in einen Rasen, obwohl man dort gerne einen Grillplatz hätte, ist der Aufwand dafür im Nahhinein viel grösser, als wenn man das während des Baus der Gartenanlage bereits berücksichtigen würde.

Konsumentenbund: Welche zwei Grundsätze geben Sie Hauseigentümern für eine langfristig gelungene Gartenanlage mit?

Yannick Lehmann: Das günstigste Angebot ist nicht immer das langfristig günstigste. Wenn beim Bodenaufbau gespart wird bei Aufwand und Material, können Mängel aufkommen in den Folgejahren. Das bewältigen/ verbessern dieser Folgen sind dann um ein Vielfaches höher, als von Anfang an bewusst und qualitativ zu handeln. Wenn man mit einer Ausführung oder einem Detail nicht ganz zufrieden ist, sollte man das frühzeitig ansprechen. Aus Erfahrung weiss ich, dass ein kleiner optischer «Mangel», oder eine Ausführung anders als gewünscht erstellt worden ist mit der Zeit meist mehr Aufsehen erregt und man sich immer stärker daran nervt.

Konsumentenbund: Wie schaffen Sie es, Kundenwünsche und fachliche Realisierbarkeit miteinander zu verbinden?

Yannick Lehmann: Indem man die Wünsche der Kunden aufnimmt und Ihnen auch einige Tage später selbst wieder aufzeigen kann. Bei Vorschlägen, die fachlich nicht umsetzbar, oder aus einem anderen Grund nicht realistisch sind, muss man darauf hinweisen. Damit der Kundenwunsch trotzdem erfüllt werden kann, muss in einem offenen Gespräch die Alternativen finden, die dem ursprünglichen Wunsch nahe liegt. Blind den Kundenwunsch versuchen zu erfüllen, kann dem Endprodukt schaden, wenn es aus einem Grund nicht realistisch ist, deshalb offen und ehrlich bleiben.

Konsumentenbund: Was ist ein Beispiel für den «Extra-Schritt», den Sie für Ihre Kunden gehen?

Yannick Lehmann: Als Beispiel nenne ich gerne das Pflanzen eines Baumes. Ein Kunde möchte gerne einen Baum pflanzen, findet es aber aus finanziellen Gründen oder wegen des Aufwandes nicht mehr nötig und entscheidet sich trotz des ursprünglichen Wunsches dagegen. Um den Baum möglicherweise doch zu pflanzen, kann man nun anbieten, den ersten Schnitt des Baumes gratis zu machen. So entscheidet sich vielleicht eher dafür und kann seine Idee für einen Baum doch realisieren.

Konsumentenbund: Warum ist Biodiversität für Sie ein zentrales Zukunftsthema im Gartenbau?

Yannick Lehmann: Biodiversität. Nachhaltigkeit spielt schon lange eine Rolle in unserem Beruf. Wie bei der Kundschaft legen auch bei Geschäften einige mehr Wert darauf als andere. Im Gartenbau spielt die Biodiversität eine grosse Rolle innerhalb der Nachhaltigkeit. Wir können in unseren Gartenanlagen vor allem für Bienen, Insekten und Vögeln einen Lebensraum schaffen. Durch das Unterstützen dieser Arten profitieren auch weitere davon, die nicht direkt im Garten leben, aber von Ihnen abhängig sind. Für das Unterstützen der Biodiversität, kann man auch mit gezielten kleinen Eingriffen einen Mehrwert schaffen. Schon ein kleiner Steinhaufen bewirkt ein Habitat für Kleinstlebewesen.

Konsumentenbund: Welche Veränderung würden Sie sich für Eigentümerinnen und Eigentümer bei Sanierungs- und Renovationsprojekten wünschen?

Yannick Lehmann: Ich würde die steuerliche Unterstützung für Sanierungs- und Renovationsarbeiten wieder einführen. Bei der Abstimmung der Abschaffung des Eigenmietwert, war dies ein Bestandteil der Vorgaben. Durch Annahme der Initiative wird es bald weniger Vorteile geben für solche Unterfangen. Ich finde es jedoch sinnvoll, wenn Hauseigentümer steuerliche Vorteile erhalten, um solche Sanierungsarbeiten zu realisieren. Das hält die Qualität und Wert einer Immobilie höher und nachhaltige Projekte wie Erneuerung von Heizungen/Gebäudehülle/Umgebungsarbeiten (Z.B Rasen in eine Blumenwiese umwandeln) werden eher realisiert.

Konsumentenbund: Wie werden Nachhaltigkeit und Digitalisierung den Gartenbau in den kommenden Jahren prägen?

Yannick Lehmann: In unserem Fachbereich wird in Zukunft möglicherweise weiterhin mehr auf die Nachhaltigkeit gesetzt. Durch die Digitalisierung wird es wahrscheinlich einfacher werden Wünsche in Form von Plänen/Bildern umzusetzen und den Kundenwunsch besser verständlich machen und optisch besser aufzuzeigen. Ebenso Kunden können Ihre Wünsche über die Planung selbst besser aufzeigen.

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Über das Unternehmen: Lehmann Gartenbau, geführt von Yannick Lehmann, plant, baut und pflegt Gartenanlagen mit Blick auf Nutzung, Gestaltung, Ökologie und Nachhaltigkeit.

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